Verfasst von: berlinfami | Juni 21, 2014

103. Bibliothekartag Bremen 2014

Vom 03. -06.06.2014 nahm ich mit drei meiner BIB-Vorstandskollegen am 103. Deutschen Bibliothekartag teil. Dieser fand dieses Jahr im wunderschönen Bremen statt. Während die Vorstands-Herren bereits 2 Tage früher anreisten, um an der Vereinsausschuss-Sitzung teilzunehmen und beim Standaufbau zu helfen, fuhr ich mit meiner Kollegin am Dienstag um 06.30 Uhr in der Frühe (für jemand, der gewöhnlich erst 9 Uhr mit arbeiten beginnt) mit dem Zug gen Bremen. Pünktlich um 10 Uhr kamen wir in Bremen an um an der Mitgliederversammlung des BIB teilzunehmen. Es standen Wahlen des Bundesvorstands und einige Satzungsänderungen und Änderungen der Geschäftsordnung an. Was soll ich sagen? Satzungsänderungen sind überhaupt nicht mein Ding! Das war wohl eine der längsten Mitgliederversammlungen (3,5h), an der ich je teilgenommen habe. Ich hoffe, dass der BIB die nächsten 10 Jahre nichts an Satzung und Geschäftsordnung ändern muss. Danach folgte ein leckerer Mittagssnack im Freien, bei sonnigem Wetter. Nachmittags nahm ich am Newcomer-Treff des BIB teil. Es ging darum, wie der BIB zukünftig mehr Veranstaltungen für die Zielgruppe der „Young Professionals“ (Arbeitstitel) anbieten kann. Alle, die sich davon angesprochen fühlten und Interesse hatten Ideen zu sammeln, waren zu dieser Diskussions- und Brainstorming-Runde eingeladen. An der Veranstaltung nahmen ca. 30 Leute teil und es gab erfreulicherweise gute Ideen und ca. 10 Leute die sich demnächst näher damit befassen möchten. Am liebsten hätte ich mich auch dafür gemeldet, aber neben Arbeit, Fernweiterbildung und Vorstandsarbeit in der Landesgruppe fehlt mir dafür leider die Zeit.

Ich hatte mir für den Bibliothekartag im Vorfeld ein ausführliches Programm zusammengestellt, wovon ich, wie zu erwarten war, vieles spontan ändern oder streichen musste. Insbesondere die früh beginnenden Vorträge entfielen, da die Abende bei gemeinsamen Essen lang waren und ich die Gelegenheit hatte, wieder viele nette Gespräche zu führen und neue Leute kennen zu lernen. Aus Zeitmangel erfolgt diesmal eine kurze Zusammenfassung meiner besuchten Veranstaltungen.

Einige Highlights:

  • Besichtigung der Bücherbusse/Fahrbibliotheken
  • Veranstaltung der KauB (Kommission für Ausbildung und Berufsbilder) zum Thema MA LIS/BA LIS: Welche Berufsaussichten haben MA LIS-AbsolventInnen? (http://www.bib-info.de/kommissionen/kommission-ausbildung-und-berufsbilder/veranstaltungen/2014.html?type=98)
  • Veranstaltung zum Thema Qualifizierung für FaMIs mit Beiträgen der FH Potsdam und der FH Hannover
  • Besichtigung der Bremer Altstadt und dem Schnoor-Viertel (leckere Konditoreien, kleine Lädchen, Restaurants)
  • Ausprobieren der Virtual Reality-Brille (mir reichte die Achterbahnfahrt nach 5 Minuten, Kollegen berichteten von zitternden Knien, manche sogar Übelkeit) und dem Banana-Piano (hat mir sehr gut gefallen!) bei der Zukunftswerkstatt

Dankeschön an alle Organisatoren aus dem Ortskommittee, den bibliothekarischen Verbänden, der Zukunftswerkstatt mit ihrem leider etwas versteckten, aber wie immer inspirierendem Bereich, der Kongressfirma und an die freiwilligen Helfer, die den Bibliothekartag wieder zu einem Großereignis mit über 4000 Teilnehmern gemacht haben.

Altstadt Bremen

Altstadt Bremen

Verfasst von: berlinfami | Januar 19, 2014

Zwischen Fernweiterbildung, Vorstandsarbeit und Beruf

Viele Leser fragen sich bestimmt, warum ich nur noch so selten zum Bloggen komme. Nun hatte ich nach meiner Ausbildung ohnehin weniger Zeit regelmäßig zu schreiben, war aber immer daran interessiert über größere Veranstaltungen wie Reisen mit dem BIB oder Teilnahme am Bibliothekartag bzw. Bibliothekskongress zu berichten, wobei letzterer für 2013 erstmals zugunsten des Reiseartikels Südtirol komplett wegfiel. Nun habe ich seit Oktober 2013 eine weitere, spannende und interessante Nebenbeschäftigung. Ich bin seit Oktober 2013 Teilnehmerin des 7. Kurses der Fernweiterbildung Bibliotheksmanagement an der FH Potsdam. Der Start war gut, die Kommilitonen sind nett, erste Lerngruppen haben sich gebildet und es geht sowohl inhaltlich als auch von der Menge der Module stetig bergauf. Momentan stehen bald 2 Hausarbeiten im Modul „Informationsrecht“ sowie „Wissenschaftliches Arbeiten“ an. Nebenbei lernen wir momentan einige elementare EDV-Grundlagen und erfreuen und/oder grübeln u.a. an Word- und Excelaufgaben.

Da ich so viele FaMIs kenne, die überlegen ob der Fachwirt, ein Fernstudium bzw. in diesem Fall eine Fernweiterbildung auf Niveau eines Studiums, für die persönliche Weiterentwicklung am geeignetesten ist, möchte ich hier einige Tipps geben. Seit 2012 (?) steht man sogar noch vor der Entscheidung sich für den „Teilzeitbachelor“ (bewusst in Anführungsstrichen) in Hannover oder die Fernweiterbildung in Potsdam zu bewerben. Zumindest im Fall Potsdam kann ich ausdrücklich die Empfehlung aussprechen, sich zuvor im Kollegenkreis oder im fami- portal umzuhören und insbesondere den Vortrag der ehemaligen Fernweiterbildungsteilnehmerin Heike Stadler, den sie 2011 auf dem 100. Bibliothekartag in Berlin gehalten hat, nachzulesen. Dort stand die Präsentation von Umfrage-Ergebnissen zum Thema Zeitmanagement sowie der Modulplan im zeitlichen Verlauf (bitte nicht abschrecken lassen!) unter damaligen Teilnehmern im Vordergrund. Auch wenn die Umfrageergebnisse teilweise noch Antworten von Diplomjahrgängen enthalten, hat man dadurch eine gute Vorstellung, wie diese Fernweiterbildung verläuft. Dies hat mir persönlich in meiner Entscheidungsfindung sehr geholfen. Außerdem möchte ich hiermit auf tarifliche Aspekte hinweisen, über die man sich gut auf den Seiten der „Kommission Eingruppierung und Besoldung“ (kurz: KEB) des BIB informieren kann. Einen Überblick über verschiedene berufsbegleitende und direkte Qualifizierungsmöglichkeiten bietet auch die Seite der Kommission für Ausbildung und Berufsbilder. Aufgrund von einigen Nachfragen/Unsicherheiten betone ich vielmals, dass es keine Musterlösung für die Frage gibt, welchen beruflichen Weg man als FaMI einschlagen kann und sollte, sondern es vielmehr oft einer Überlegung und Abwegung von Einzelfaktoren, persönlichen Umständen und Erwartungen bedarf.

Verfasst von: berlinfami | Juli 1, 2013

Start in 2. Amtszeit mit BIB Landesgruppenvorstand Berlin

Im Frühjahr wurde der Vorstand der BIB Landesgruppe Berlin neu gewählt. Zusammen mit 4 anderen Kolleginnen und Kollegen starte ich nun in meine 2. Amtszeit (2013-2016). Mit neu hinzugekommen ist erfreulicherweise auch jemand aus dem ÖB-Sektor: Michele Wegner aus der Ingeborg-Drewitz Bibliothek in Steglitz. Wir haben für das 2. Halbjahr 2013 wieder einige interessante Führungen, eine Kurzreise und ein neuartiges workshop-Angebot (s. kommendes Rundschreiben) für unsere Mitglieder zusammengestellt. Genauere Infos zu all‘ unseren Veranstaltungen findet man auf unserer Landesgruppenseite.

Verfasst von: berlinfami | Februar 8, 2013

BIB Studienreise – Bibliothekslandschaft Südtirol

Vom 02.10. – 06.10.2012 machten sich 24 Bibliotheksbeschäftigte sowie interessierte Lebenspartner auf den Weg, um das Südtiroler Bibliothekswesen zu erkunden. Los ging es um 12.45 Uhr mit dem Flugzeug bis Verona. Von Verona aus wurden wir mit einem Shuttlebus abgeholt und erreichten nach zweistündiger Fahrt unser Hotel in Bozen. Nach dem Einchecken ging es auch gleich los zur ersten Bibliotheksbesichtigung. Herr Weger, Geschäftsführer des Bibliotheksverbands Südtirol, holte uns vom Hotel ab und führte uns durch die sonnig-warme Innenstadt von Bozen. Wir wurden in der Europäischen Akademie Bozen von Bibliotheksleiterin Antje Messerschmidt begrüßt. Sie berichtet uns von der Gründung der Europäischen Akademie und wie sie am Baugeschehen der Bibliothek von Anfang an mitwirken konnte. Das Bibliotheksgebäude beherbergt zwei Einrichtungen in einem: die Forschungsbibliothek (EURAC Library) und die Fachbibliothek im Bereich Umwelt und Ökologie ECO Library. Die EURAC Library dient als Präsenzbibliothek den 11 Forschungsinstituten. Die Bestände der „Eco Library“ sind hingegen frei zugänglich und auch für externe Benutzer ausleihbar. Die Medien beider Bibliotheken sind im Freihandbereich aufgestellt. Auffällig war die zweisprachige Regalbeschriftung in Deutsch und Italienisch, die uns später auch in anderen Bibliotheken begegnete. Nach der Bibliotheksbesichtigung informierte uns Dr. Volker Klotz, Leiter des Amts für Bibliotheken und Lesen, über die Südtiroler Bibliothekslandschaft. Beeindruckend war, dass bereits 1981 der Bibliotheksverband Südtirol gegründet und zwei Jahre später bereits ein Bibliotheksgesetz im Landtag verabschiedet wurde. Davon können wir in Deutschland bisher nur träumen. Nach dieser Einführung gab es für alle, mittlerweile hungrigen Teilnehmer ein leckeres Buffet mit belegten Häppchen und regionalem Wein und Saft in der Bibliothek. Der nächste Tag sollte der mit den umfangreichsten Bibliotheksbesichtigungen sein. Deshalb stand pünktlich 8.30 Uhr unser Reisebus bereit.

Landschaft Südtirol

Nach einer zweistündigen, kurvenreichen Fahrt durch das Grödnertal, über das  Grödner Joch ins Gadertal erreichte unser Bus die erste Station St. Martin in Thurn, wo wir das Ladinische Kulturinstitut (Istitut Ladin Micurà de Rü) besichtigten. Ladinisches Institut

Der Leiter des Instituts, Dr. Leander Moroder, informierte uns über die Geschichte der Ladinischen Sprache und Kultur. Weiter ging es mit dem Bus durchs Eisacktal Richtung Vahrn. Zunächst legten wir eine kurze Mittagspause ein um in einem großen, regionalen Supermarkt Spezialitäten des Landes zu erwerben oder uns ein Kaffeepäuschen zu gönnen. Die Bibliothek der Gemeinde Vahrn hat im Vergleich zu ihren rund 4000 Einwohnern einen für uns verhältnismäßig hohen Erwerbungsetat. Die Bibliothek ist im Besitz von vielen laufenden Zeitschriften und Tageszeitungen. Der Hauptnutzerkreis sind Eltern und Kinder. Die Bibliothek ist seit 2007 an eine Grundschule angesiedelt und ist mit ihren 10 000 Medieneinheiten und ihren idealen Bedingungen für Eltern mit Kleinkindern (beeindruckt hat uns der Krabbeltisch auf Rollen, der genau zwischen die Regale passte) auch attraktiv für auswärtige Benutzer.  Die Bibliothek nimmt an der Aktion „Bookstart“ teil, wo werdende Eltern bereits bei der Geburt ihres Nachwuchses wählen können, ob sie ein Buchpaket für Kleinkinder als Geschenk nach Hause geliefert haben möchten. Näheres zum Erfolg der Aktion findet man unter http://www.provinz.bz.it/kulturabteilung/jugendarbeit/3020.asp

Weiter fuhren wir zur Bibliothek des Klosters Neustift. Die Bibliothek hat einen Bestand von ca. 20 000 älteren Bänden bis zum 18. Jahrhundert und ca. 10 000 „neueren“ Bände. Der Chorherr, der uns durch die Bibliothek führte, berichtete dass überwiegend die weltlichere Literatur bei den Benutzern gefragt sei. Er betonte die Wichtigkeit des Sachkatalogs, der für die aufkommenden Suchwünsche von hoher Bedeutung war. Er zeigte uns große Folianten mit einer gregorianischen Liturgie sowie das älteste Notenblatt der Bibliothek, was aus dem 12. Jahrhundert stammte. Er erklärte uns, dass die Bücher auch heute noch gut erhalten sind, da man früher Pergament aus Schafsfell herstellte.

Im Anschluss hatte uns Daniel Weger ein Törggelen-Mahl auf einem Bauernhof, welcher zu einem Restaurant umgebaut war, reserviert. Törggelen ist ein Südtiroler Brauch während der Erntezeit. Wir bekamen ein umfangreiches 3-Gänge Menü, bestehend aus einer Vorspeise, einer deftigen Schlachteplatte und einer süßen Nachspeise in Form von gebackenen Krapfen, auf die ich mich am meisten freute und dafür sogar das ein oder andere Fleischstück unberührt ließ. Zum Essen wurde u.a. Wein aus aktueller Ernte („Heuriger“) serviert. Nach diesem langen Tag fuhr uns unser Busfahrer, den wir mit zum Törggelen (für ihn natürlich ohne den Wein zu probieren), mit eingeladen hatten, zu unserem Hotel nach Bozen zurück.

Am darauffolgenden Tag brauchten wir mal keinen Bus und schlenderten durch die Bozener Innenstadt zur Bibliothek des Humanistischen Gymnasiums. Die Bibliothek war 2009 neu eingerichtet wurden. Die Bibliothekarin wurde von Schülern und Lehrern, die stundenweise in den Pausen, Freistunden oder Nachmittagen die Aufsicht übernahmen, unterstützt. Die Bibliothek konnte somit 50 Stunden pro Woche geöffnet sein. Das ungewöhnlich an dieser Schule war, dass es auch Samstagsunterricht gibt. Die Schule hat ca. 830 Schüler und wird zu 2/3 von Mädchen besucht. Positiv angenommen wird von den Schülerinnen und Schülern auch die großzügige Dachterrasse, die im Sommer ein schöner Verweilplatz ist. Die Schüler haben spezielle Unterrichtsstunden in der Bibliothek und führen bis zu Ihrem Abschluss (Matura) eine Bibliotheksmappe, wo sie die Lehreinheiten des Bibliothekscurriculums dokumentieren. Der Schwerpunkt liegt hier bei der Vermittlung von Lese- bzw. Vorlesekompetenzen. Die Bibliothek organisiert auch in Zusammenarbeit mit dem deutschen Kulturamt Autorenbegegnungen zum Tag der Bibliotheken. Hätte die Bibliothekarin einen Wunsch frei, so würde sie sich über ein neues Bibliothekssystem freuen, da der alte Katalog nicht online zugänglich ist. Wer noch neugierig ist, findet weitere Infos in dem Blog der Bibliothek.

Danach liefen wir zur Bibliothek der Freien Universität Bozen. Ja, Freie Universitäten gibt es an mehreren Orten weltweit. Auch in Amsterdam hörte ich von einer „frijen“ Universität. Nun aber zurück zu Bozen. Die Universität wurde erst 1997 gegründet. Bisher gab es nur Universitäten im Norden (Innsbruck) und Süden (Trient). Man stellte fest, dass Südtirol zu wenig Akademiker hatte. Die neu gegründete Universität wurde auf 3 Standorte aufgeteilt. Die Aufteilung ist eher politisch so gewollt, als dass sie sich größerer Beliebtheit bei Studenten und Mitarbeitern erfreuen würde. Bemerkenswert war die familiäre Atmosphäre (nur 4000 Studenten) auf dem Campus und die stark internationale Ausrichtung der Hochschule. Bereits bei der Immatrikulation muss man nachweisen, dass man 2 der 3 Sprachen (Deutsch, Englisch, Italienisch) beherrscht und verpflichtet sich im ersten Studienjahr einen Sprachkurs auf B2-Level zu belegen um eine Zulassung für das 2. Studienjahr zu bekommen. Die Bibliothek hat einen Bestand von 235 000 Monografien und legt ihren Schwerpunkt bewusst auf elektronische Ressourcen, wofür sie 80 % ihres Erwerbungsetats aufwendet. Dies hat auch den Hintergrund, dass die Studenten, die während ihrer Studienzeit ins Ausland gehen, optimal von ihrer Heimatuniversität versorgt werden sollen. Die Uni hat viele Vertragsdozenten, die nur für ein Jahr unterrichten. In diesem Fall muss der Proporz (eine Art Einstellungsquote nach Sprachgruppen) nicht berücksichtigt werden. Da diese Dozenten ihre Literatur besonders schnell brauchen, gibt es eine Art beschleunigte Erwerbung, was auch mit dem jeweiligen Buchhandel abgesprochen ist. So werden deutschsprachige Bücher innerhalb von 3 – 4 Tagen, englische innerhalb von 10 Tagen geliefert. Verwundert waren wir lediglich über die Lieferzeit von italienischsprachigen Büchern, die bei durchschnittlich 14-16 Tagen lag. Sobald die Bücher eingehen, werden sie an den Benutzer gegeben und später erst katalogisiert. Die Studenten haben einen engen Kontakt zu Fachreferenten, von denen sie eine Bibliothekseinführung bekommen und die bei der Literaturbeschaffung mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ab 19 Uhr ist die Bibliothek mit studentischen Hilfskräften besetzt. Die Studenten haben die Möglichkeit nach 24 Uhr mit ihren Studentenausweisen in die Bibliothek zu kommen und ggf. auch Bücher am Selbstverbuchungsautomaten auszuleihen. Die Bibliothek hat für ihre 3 Standorte (Bozen, Brunneck und Brixen) insgesamt 22 Mitarbeiter. Die Auskunftstheke war geteilt, in einen Bereich für Basisinfos, der mit Mitarbeitern einer sogenannten „Genossenschaft“ abgedeckt wurde und einen Bereich für Fachfragen mit bibliothekarischem Fachpersonal. Die Katalogisierung wurde auch von den Mitarbeitern der Genossenschaft erledigt, die dafür überwiegend Fremddaten aus dem BVB (also auch unsere an der FU Berlin katalogisierten Datensätze werden für die UB Bozen weitergenutzt) und der LoC verwenden. Besonders war, dass je nach Sprache im jeweiligen Regelwerk katalogisiert werden muss.

Den Nachmittag hatten wir alle zur freien Verfügung und konnten je nach Interesse unter mehreren Besichtigungsmöglichkeiten wählen. Zur Wahl stand u.a. das Museion Bozen (moderne Kunst), weitere Museen in der Innenstadt sowie Schloss Runkelstein. Ich hatte mich für letzteres entschieden. Um auf die Höhe des Schlosses zu gelangen, gab es einen  Busshuttle, der laut Auskunft der Touristikzentrale regelmäßig halbstündlich fahren sollte. Was wir nicht wussten war, dass es sich hierbei um einen Kleinbus bzw. eher Transporter handelte, der nur ca. 7 Plätze umfasste. Mit der Pünktlichkeit lief das dann nicht so gut. Wir warteten 20 Minuten länger und kein Bus kam. Ein Teil unserer Gruppe hatte sich bereits entschieden, zusammen ein Taxi zu nehmen, aber ich gehörte zum Rest der Gruppe die noch hartnäckig darauf vertrauten, dass der Shuttle kam, was dann tatsächlich der Fall war. Als wir beim Schloss ankamen, wurde uns bewusst, was Runkelsteine sind. Es gab einen steinigen Aufstieg und die Steine machten nicht nur der Hohen-Absatz-Fraktion (zu der ich zum Glück nicht gehörte) zu schaffen. Als wir auf Schloss Runkelstein ankamen war das Restaurant sehr voll und einige von uns konnten gerade noch so einen Platz bekommen, sodass sich die Gruppe erneut teilte. Einige nahmen gleich an der deutschen Führung teil, während ich zu letzteren gehörte, die einfach in diesem Moment nur eines im Sinn hatten: den Hunger zu stillen. Dies war auch gut so, denn die Mitstreiter, die nach uns kamen bekamen dann statt Mittagessen nur noch Kuchen und Kaffee. Hinunter liefen einige von uns einen 45 minütigen Wanderweg, der mitten in der Innenstadt endete.

Am Freitag ging es wieder mit dem Bus weiter. Diesmal war unser Ziel der Kulturpunkt Lana. Der Kulturpunkt Lana war ein Gebäude, was mehrere Träger untergebracht hatte. So fand neben der seit 2005 eröffneten Bibliothek auch die Volkshochschule, der Bildungsausschuss, Literaturverein und Verein der Bücherwürmer darin Platz. Architektonisch war das Gebäude wirklich etwas Besonderes. Der Rundbau wirkte durch die Verwendung von Holz und Stahl sehr hell und einladend. Der Bürgermeister kam vorbei um eine kurze Ansprache zu halten und hieß uns herzlich willkommen. Die Bibliothek hat 100 000 Ausleihen im Jahr und ca. 4500 aktive Benutzer. Der Bestand hat eine Größenordnung von 25 000 Medieneinheiten, wovon ca. 18 0000 Bücher sind. Die Gemeinde selbst hat 11 000 Einwohner. Der Bestand besteht überwiegend aus Kinder- und Jugendbüchern (2/3) und hat einen eigenen Interessenkreis für Eltern. Es gibt Schulklassen, die Einführungen zum Umgang mit Suchmaschinen bekommen und italienische Kindergartengruppen, die regelmäßig vor Ort sind. Es gibt mehrere Medienstationen, kostenloses WLAN und einen Rückgabeautomaten, der 24h pro Tag verfügbar ist.

Als letzte Bibliothek besichtigten wir die kleinste von allen angeschauten- die Gemeindebibliothek Rabland-Partschins. Die Gemeindebibliothek hat 2 Standorte, die seit 1997 von einer hauptamtlichen Bibliothekarin betreut werden. Die Bibliothek bekommt Unterstützung von 11 ehrenamtlichen Helfern, einem Vollzeitpraktikanten im Sommer, sowie einer Museumskraft für die Wintermonate. Das Ehrenamt hat in Südtirol eine andere Stellung als in Deutschland. Es gibt für die Ehrenamtlichen, die überwiegend aus Hausfrauen, Lehrern und Rentnern bestehen, auch spezielle Schulungen vom Bibliotheksverband Südtirol, sowie zweimal im Jahr eine Mitarbeitersitzung. Die Bibliothekarin Babara Rechenmacher versüßte uns den Aufenthalt in ihrer kleinen Bibliothek mit Weintrauben aus eigenem Anbau, wieder leckeren Krapfen mit unterschiedlicher Füllung und Saft sowie Wein aus der Region. Nebenan speisten wir in einem gemütlichem, mit viel Holz eingerichtetem Restaurant, bevor wir zu den Gärten von Schloss Trauttmansdorff aufbrachen. Das 12ha große Gelände, begeisterte uns mit seinen 4 Rundwanderwegen und 2 Ausblickpunkten, sowie Palmen und Sandstrand auf einer Hochebene.

Gärten von Schloss Trauttmansdorff

Das Wetter (23 Grad, Sonne) hatten wir dabei auch auf unserer Seite. Nach diesem dreistündigen, bewegungsreichem Programm (ja, der ein oder andere von uns verspürte am nächsten Tag Muskelkater) fuhren wir wieder zurück ins Hotel, wo wir nach dem Abendessen (einem leckeren Dreigangmenü) eine Abschlussdiskussion mit Herrn Weger und den Teilnehmern hatten. Wer glaubt unser umfangreiches Bibliotheksbesichtigungsprogramm ging damit zu Ende, der irrte. Auch für den Abreisetag stand noch der Besuch einer besondere Bibliothek- die Biblioteca Civica e Storici di Rovereto an. Die Bibliothek stammte ursprünglich aus dem 18. Jahrhundert und hatte einen großen Bestand von 400 000 Bänden. Die Stadt Rovereto hat 40 000 Einwohner. Die Bibliothek, welche aus 4 Lesesälen besteht, hat Montag bis Samstag von 9-22 Uhr geöffnet und wird zudem sonntags von jenen Genossenschaftsmitarbeitern betreut, die es in Italien häufig gibt. Die Fakultät  der Universität von Trient hat keine eigene Bibliothek und ist deshalb im Untergeschoss des Gebäudes untergebracht. Im selben Gebäude gibt es auch ein Stadtarchiv und eine alte Druckerei, die zu Unterrichtszwecken noch für Schulprojekte genutzt wird und die wir auch besichtigen durften. Dies war die letzte Station unserer ausführlichen Reise durch die Bibliothekslandschaft Südtirol. Gegen 13 Uhr fuhr uns unser Bus zum Flughafen nach Verona, von wo aus wir gegen 15.45 Uhr den Heimflug antraten und leider auch das warme Klima hinter uns ließen. Unser Dank gilt neben unserem Vor-Ort-Organisator Herrn Daniel Weger, den engagierten Bibliotheksleiterinnen sowie BI International, die sich großzügig an unseren Reisekosten beteiligt haben.

Verfasst von: berlinfami | Oktober 20, 2012

Bibliothekartag Hamburg – Tag 4

Zu Beginn des letzten Tages schaute ich mir zunächst die Posterpräsentation an. Dabei entdeckte ich einige Poster von Kollegen, u.a. zu QR-Codes oder zu Ergebnissen der Benutzerbefragung in der Philologischen Bibliothek. Danach traf ich mich mit meinen Vorstandskollegen am BIB-Stand. Wir hatten uns verabredet, um zusammen an der Führung durch die Bücherhallen Hamburg (am Hühnerposten) teilzunehmen. Wir bekamen zunächst eine Führung durch den Kinder- und Jugendbereich. Auffällig war, wieviel unterschiedliche fremdsprachliche Kinderbücher vorhanden waren. Danach folgte eine zweite Führung durch das restliche Haus. Im Anschluß verabschiedeten wir uns bei einem Lunch und ließen die Tage Revue passieren. Für mich war der Bibliothekartag damit noch nicht ganz zu Ende. Ich hatte mich für einen E-Reader-Workshop der HAW Hamburg angemeldet. Im BuB-Heft wurde dafür geworben und auch die kleine Aufwandsentschädigung in Höhe von fünf Euro ließ mich nicht davor zurückschrecken. Was ich allerdings viel zu spät mitbekommen hatte, war die Tatsache, dass der Workshop gar nicht im Kongresszentrum sondern auf dem Campus der HAW in Wartenau stattfand. Leider schloss der Kongressschalter schon nachmittags. Somit lief ich bei gefühlten 30 Grad (nein es war sogar wirklich so warm im Mai) mit Trolley und Rucksack zur U-Bahn. Wie konnte es anders sein, musste ich dann von der U-Bahn Station noch ca. 15 Minuten laufen. Zum Glück habe ich an der Haltestelle gleich zwei weitere, ebenso suchende Teilnehmerinnen gefunden. So setzten wir den Fußmarsch zu dritt fort und waren dankbar für die Snacks und Getränke, die die HAW für den Workshop organisiert hatte. Die Präsentation lag ganz in der Hand der Studenten. Zunächst stellt diese die zwei Display-Arten vor. Es gibt E-Reader mit LCD-Display und welche mit e-Ink. Bei ersterem kommt das Licht von unten. Die Ansicht ist etwas pixeliger und die Akkulaufzeit etwas geringer. Letztere funktioniert über ein bestimmtes Verfahren, wo sich geladene Teilchen in eine bestimmte Richtung ausrichten (s. wikipedia-Beitrag „Elektronisches Papier“ ). Der Vorteil ist, dass die Anzeige auch bei Sonne funktioniert und keinen Strom verbraucht. Die E-Reader können über WLAN oder UMTS mit dem Internet  verbunden werden. Nach diesem Basisinfos, konnten wir sogleich verschiedene E-reader ausprobieren. Enttäuscht hat mich zunächst gleich ein Modell von sony, welches langsam blätterte und bei dem man keine Wörter markieren konnte. Außerdem kam auch gleich eine von den Studenten noch nie gesehene Fehlermeldung. Insgesamt konnte mich kein E-reader zu hundert Prozent überzeugen. Danach ging man auf das i-pad 2 ein, welches ab März 2011 im Handel erhältlich war. Dafür konnte ich mich schon eher begeistern, weil man damit nicht nur Bücher lesen, sondern auch Fahrpläne abfragen, youtube-Videos anschauen, E-mails lesen und vieles mehr machen kann. Allerdings hat dieses z.Z. noch einen hohen Preis, der bei mir persönlich nicht im Verhältnis von Häufigkeit und Intensität der Nutzung stehen würde. Die Studenten gingen dann noch auf die Datenformate ein. Standard ist PDF und EPUB. Leider gibt es für den Kindle wieder ein eigenes Format (AZW), was ich ziemlich unpraktisch finde. Alles in allem konnte ich durch den workshop einen guten Überblick gewinnen. Bis ich mir einen eigenen E-Reader zulege wird aber noch einige Zeit vergehen. So ging ein umfangreicher Fortbildungstag zuende. Zum Glück lag der Bibliothekartag vor dem Pfingstwochenende, sodass ich noch ein paar Tage länger in der schönen Stadt an der Elbe verweilen konnte. Ich lief in den folgenden Tagen durch „övelgönne“, fuhr mit der Fähre von Westen bis zu den Landungsbrücken, stieg auf den Michel und bestaunte dort das alte (nicht mehr verwendete) Uhrwerk und ließ mir die restlichen Frühlingssonnenstrahlen in einem Café ins Gesicht scheinen.

Verfasst von: berlinfami | September 16, 2012

Bibliothekartag Hamburg – Tag 3

Am Donnerstag erfolgte von 9-12 Uhr die jährliche BIB-Mitgliederversammlung. Zu Beginn gab es eine Neuerung zum bisherigen Ablauf. Alle anwesenden Mitglieder und BIB-Aktiven sollten sich zunächst vorstellen (Name, Bibliothek) und einen Satz zu einem Thema sagen, was uns aktuell beschäftigt. Neu war auch, dass in der Pause bei Kaffee und Tee, der auch der Aufwärmung (die Klimaanlage führte dazu, dass wir recht durchgefroren waren und in Jacken dasaßen) diente, ein Zukunftsforum stattfand. Es gab 4 Ecken, wo wir in Kleingruppen über die Zukunft der Verbandskommunikation, Fortbildung und Mitgliedermehrwert, Kooperation der bibliothekarischen Verbände und das aktuelle BIB-Jahresthema (Demographie), diskutierten.

Nach einem leckeren Mittagsmahl erfolgte für mich, die ich immer noch angeschlagen und erkältet war, ein ausführliches Chillout mit Nachmittagsschläfchen im Hotel. Gegen 18 Uhr ging ich mit meiner Vorstandskollegin los um unseren Vorsitzenden abzuholen. Wir schlenderten (bzw. besser gesagt, wir Frauen stöckelten- auch wenn mein Absatz gar nicht so hoch war) durch die Stadt bis zur Fischauktionshalle, wo der diesjährige Festabend stattfand. Ich fand diesen Veranstaltungsort, der übrigens so gefragt ist, dass er weit über 1 Jahr im Voraus gebucht wurde, wirklich traumhaft. Das Hafenpanorama war insbesondere in der Dunkelheit eine sehr schöne Kulisse. Man konnte von der Bar oben auf das im Hafen liegende Schiff schauen, auf dem mit großem Banner „Hier ist das Lächeln zuhause“ stand.

Gelungen fand ich das Catering, dass auf mehrere Stationen verteilt war, sodass es keine längeren Schlangen am Buffet gab, da man zuvor auf den Faltblättern schauen konnte, was man essen wollte. Nachdem das Buffet von unserer BIB-Bundesvorstandsvorsitzenden feierlich eröffnet wurde, erklang eine Jazzband zum Abendessen. Zu späterer Stunde versammelten sich nach und nach immer mehr Menschen auf der Tanzfläche. Wer vom vielen Tanzen nachts noch Hunger bekam, konnte auch Kuchen essen und Kaffee oder Tee trinken. Es gab eine gute musikalische Mischung von Oldies bis modernen Hits, sodass die Menge bis nach Mitternacht feierte.

Verfasst von: berlinfami | August 20, 2012

Bibliothekartag Hamburg – Tag 2

Am Mittwoch Vormittag schaute ich mir zuerst die Stände der Hochschulen an und nahm etwas Infomaterial mit. In der KIBA-Lounge wurden aktuelle Forschungsprojekte vorgestellt. Es gab einen interessanten Vortrag von Prof. Vonhof (HdM Stuttgart) zum Thema „Managementinstrumente in der Bibliothekspraxis“. Es wird beobachtet, welche Prozesse es im Bibliothekswesen gibt, was von wem gemacht wird, welche Arbeitsschritte überflüssig sind. Es geht darum welche Ziele eine Bibliothek hat und wie diese durch die Optimierung von Prozessen erreicht werden können. Interessant fand ich die Unterscheidung von verschiedenen Leistungsarten. So sind 45 Prozent aller Leistungen Stützleistungen, z.B. die Beschaffung von Arbeitsmaterialien, Installation von IT usw. Dies ist durchaus nachvollziehbar, wenn ich überlege, wie lange z.B. in meiner Bibliothek die Installation eines RVK-Etikettendrucker dauerte (2 Stunden pro Rechner) oder einer aktuellen Version unserer Bibliothekssoftware (ein halber Tag). So kommt es vor, dass manchmal wenig Zeit für die Kernprozesse, wie z.B. Benutzung, Schulungen von Bibliotheksbenutzern usw… bleibt. Danach gönnte ich mir mit meiner Vorstandskollegin eine Mittagspause am Stephansplatz. Im Anschluss besuchten wir die BIB-Veranstaltung zum Jahresthema „Demographischer Wandel.“ Zu Beginn gab es ein Referat von Petra Klug von der Bertelsmann-Stiftung. Später gab es eine Diskussionsrunde. In dem Zusammenhang kam auch die Frage auf, wie man das Wissen, was ein Bibliotheksmitarbeiter aufgrund langjähriger Berufserfahrung erworben hat, vor Ort behält. Oft findet ein Verlust von Wissen statt, wenn ein langjähriger Mitarbeiter in Rente geht. Es stellte sich heraus, dass Arbeitsplätze flexibler sein müssen. Die Arbeitszeit muss an die individuelle Lebenssituation angepasst werden können. Wenn die Gesellschaft immer älter wird, muss sich die Frage gestellt werden, welche Bedürfnisse diese älteren Bibliothekskunden haben. Mentorenprogramme zwischen Jung und Alt können dem Wissenstransfer dienen. Fazit war, dass es kein Patentrezept für Bibliotheken gibt. Jede Bibliothek muss ihre Strategie der jeweiligen gesellschaftlichen Struktur in der Umgebung anpassen. Nach dieser Diskussionsrunde ging ich zum Vortragsblock „Neue Wege in Aus- und Fortbildung“. Dort wurde zunächst das neue Pilotprojekt der FH Hannover für FaMIs ohne Abitur vorgestellt. Diese sollen die Gelegenheit bekommen in 7 Semester durch ein Teilzeitstudium einen Bachelorabschluss zu erlangen. Die Voraussetzung dafür ist eine mindestens dreijährige Berufserfahrung im Bibliothekswesen. Das Studium soll neben der Berufstätigkeit erfolgen. Pro Semester soll es 6 Präsenzphasen (Donnerstag- Samstag) geben. Es wird die Reduzierung der Arbeitszeit empfohlen, da man eine durchschnittliche Arbeitsbelastung von 20 Wochenstunden erwartet. Leider gibt es in Niedersachsen Studiengebühren in Höhe von 500 Euro und Semestergebühren von ca. 300 Euro, was sicherlich für viele FaMIs aus anderen Bundesländern ein Nachteil ist, da zu den Studiengebühren noch Reise- und Übernachtungskosten anfallen. Die Prüfungen sind dieselben wie im regulären Studium. Es bleibt zu erwarten, ob sich dieser Teilzeitbachelor für FaMIs ohne Abitur als Weiterbildung bundesweit etablieren kann.

Danach folgte ein Vortrag von Karin Holste-Flinspach unter dem Titel „FaMI in der Krise – Ausbildungsreform überfällig!“. Der Vortrag fasste die Entwicklung des FaMI-Berufes und die dabei auftretenden Probleme zusammen. Die Rahmenbedingungen in Bibliotheken haben sich in den letzten Jahren stark geändert. Es gibt einen Wandel an Informationsbedürfnissen, wachsenden Kostendruck, eine rasante technische Entwicklung (RFID u.a.) und die zunehmende Arbeitsverlagerung zu externen Dienstleistern. Im Bereich der Katalogisierung wird durch Fremddatenübernahmen und Verbundkatalogisierung die Arbeit an Titelaufnahmen geringer. Die typischen Einsatzorte für FaMIs in der Benutzung werden durch Selbstverbuchungs- und Kassenautomaten kleiner oder verschwinden ganz. Es findet eine Arbeitsverlagerung zu Non-Profis (z.B. stud. Hilfskräften) statt. Die Art der Benutzung von Bibliotheken ändert sich. Bibliotheken werden sowohl vor Ort als auch mehr und mehr von zu Hause aus durch E-Medien genutzt. Dort könnten neue Arbeitsbereiche für FaMIs erschlossen werden. Bibliotheken müssen für qualifizierte Bewerber attraktiv bleiben. Das wird durch Teilzeit-Stellen, Befristungen u.ä. zunehmend schwieriger. Frau Holste-Flinspach sieht die Zukunft der FaMIs im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit, Benutzerschulung und im social-media-Bereich. Die Ausbildungsordnung muss in Zukunft um diese Bereich ergänzt werden. Die FaMIs befinden sich im Spannungsfeld zwischen Diplombibliothekaren, Bachelor-Absolventen und studentischen Hilfskräften. Es ist nirgendwo festgelegt, was ein FaMI machen darf oder nicht. Dies variiert in der Praxis je nach Auffassung des Arbeitgebers und Größe der Bibliothek. Einig ist man sich auch dahingehend, dass bessere Weiterbildungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen geschaffen werden müssen. Nach diesem Vortrag schlenderten wir mit einigen BIB-Aktiven aus anderen Bundesländern durch die Hamburger Innenstadt um in einem spanischen Restaurant zu speisen. Somit ging ein spannender zweiter Kongresstag zu Ende.

Verfasst von: berlinfami | August 4, 2012

Bibliothekartag Hamburg-Tag 1

Dieses Jahr hatte ich das Glück gleich mit 2 anderen Vorstandskollegen (genauer gesagt eine Kollegin und unser Vorsitzender) der BIB-Landesgruppe Berlin zum Bibliothekartag nach Hamburg zu fahren. Wir reisten gemütlich mit dem ICE und kamen nach 1,5 Stunden vormittags in Hamburg  an. Die Stadt erwartete uns mit strahlendem Sonnenschein, blauem Himmel und einer leichten, typisch norddeutschen Brise. Der ICE hielt ganz praktisch am Bahnhof Dammtor neben dem Kongresszentrum.

Nachdem wir uns angemeldet hatten, bekamen wir unser gedrucktes Programm (aufgrund hoher Kosten und alljährlich organisationsbedingter Programmänderung gab es dieses Jahr das Programm im Vorfeld nur online). Ich hatte mir zwar zuvor einige Vorträge rausgesucht, wollte trotzdem lieber auch ins gedruckte Programm schauen. Wir studierten das Programmheft im Grünen, genauer gesagt im benachbarten Park „planten un blomen“. Nachdem ich für den Mittag noch nichts geplant hatte, entdeckte ich die Buchlesung mit Benjamin Lebert. In der Reihe “Wissen trifft” hatte Dirk Wissen (Direktor der Stadtbibliothek Frankfurt Oder) am KIBA-Stand während des gesamten Bibliothekartags verschiedene Autoren zu Gast. Benjamin Lebert interessierte mich, da ich schon einige Bücher von ihm gelesen hatte (u.a. in den letzten Jahren „Der Vogel ist ein Rabe“, „Flug der Pelikane“) und er während meiner Teenagerzeit mit seinem Roman „Crazy“ berühmt wurde. Nun präsentierte er sein neues Buch „Im Winter dein Herz“. Ich war bereits bei der Buchmesse vor einigen Jahren bei der Lesung zu „Der Flug der Pelikane“. Wenn ich die Stimme des Autors höre und seine Erläuterungen zur Entstehung seiner Bücher erfahre, kommt mir das Geschriebene viel klarer und bewegender vor. Es gibt ein aktuelles Interview dazu: http://www.zeit.de/2012/09/Benjamin-Lebert/seite-1

Weiter ging’s nach einem stärkenden Mittagsmahl am Stephansplatz in einen Vortrag zum Bibliotheksportal Primo von Ex Libris. Am Beispiel des Bibliotheksportals Primo der FU Berlin haben die beiden Studentinnen Melanie Surkau und Heike Lennard eine „Usability-Studie“ für ihre Masterarbeit durchgeführt. Gestestet wurde die Beta-Version mit Hilfe von 20 Testern ohne Vorerfahrung, d.h. sie haben noch nie mit dem Portal gearbeitet. Die Testpersonen bekamen bestimmte Suchaufträge und sollten bei Ihrer Suche laut Denken. Der Test dauerte 90 Minuten und sollte aufzeigen, welche Funktionalitäten die Tester finden und nutzen. Es kam dabei heraus, dass Primo für Anfänger leicht benutzbar ist und es konnten ein Großteil der Aufgaben gelöst werden. Allerdings wurden einige Funktionalitäten übersehen (Sichtbarkeit des Benutzerkontos), Texte waren zu ungünstig platziert, Informationen zu sehr verteilt. Außerdem wurden der Unterschied zwischen „FU-Katalog Plus“ und „FU-Katalog Plus+ Primo Central“ nicht erkannt. Weiterhin bemängelt wurde die unterschiedliche Benennung für die Verfügbarkeitsanzeige, z.B: „Volltext verfügbar“ und „Online-Zugriff frei“. Dies sind einige aus dem Vortrag ausgewählte Schwierigkeiten, die bei der Nutzung von Primo auftreten. Alles in allem konnte mit der Studie auf viele Verbesserungsmöglichkeiten hingewiesen werden. Nach diesem aufschlussreichen Vortrag nahm unser Vorstands-Trio an einem rundum gelungenen Eröffnungsabend teil. Die Rede des VdB-Vorsitzenden Dr. Klaus-Rainer Brintzinger fand ich sehr gut. Zwischen den Reden stimmte der Schwulenchor „Schola cantorosa“ in typisch norddeutscher Manier auf die Tage in Hamburg ein und leitete das Publikum im Anschluss an den Eröffnungsabend in die Messehalle, wo die Firmenausstellung eröffnet wurde. Eine schöne Erinnerung für alle Bibliothekartagsbesucher und Impression für alle Daheimgebliebenen:

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=egp3-GpD4uU#!

Verfasst von: berlinfami | Juli 19, 2012

Eingruppierungen im TV-L (Ergebnisse)

Da ich gesehen habe, dass einige direkt mit Suchanfrage zum Thema Tarife auf meinem Blog landen, möchte ich allen Lesern kurz eine Übersicht über die Ergebnisse der Eingruppierungen in der Entgeltordnung des TV-L geben. Die Entgeltgruppen entsprechend der jeweiligen Tätigkeitsgruppen kann man hier nachlesen:

http://www.bib-info.de/fileadmin/media/Dokumente/Kommissionen/Kommission%20Eingruppierung%20und%20Besoldung/Tarif_und_Besoldungsrecht/Laender/EGO_TV-L_2011-10-31_Auszug_Archive_Bibliotheken_Buechereien_Museen.pdf

Gesondert gibt es eine Erklärung zu den außertariflichen Eingruppierungen E8 und E10:

http://www.bib-info.de/fileadmin/media/Dokumente/Kommissionen/Kommission%20Eingruppierung%20und%20Besoldung/Tarif_und_Besoldungsrecht/Laender/TdL-Beschluss-EGO-uebertariflich-E8E10.pdf

Die Ergebnisse der Verhandlungen sind eher frustriend. Die Eingruppierungen für die E10 in öffentlichen Bibliotheken werden an altmodischen Merkmalen wie Zahl der Entleihungen und Bestandsgröße der Bibliothek entschieden. Für Beschäftigte mit Bachelorabschluss ist nur lebenslang noch eine Eingruppierung vorgesehen, ohne Perspektive nach oben, unabhängig welche Tätigkeiten ausgeübt werden. Eine Ausbildungserfordernis für die Entgeltgruppen E5 und E6 ist nicht vorgesehen, was gerade für FaMIs schlecht ist.

Eine genauere Stellungnahme des BIB zu den Ergebnissen der Tarifverhandlung findet man hier:

http://www.bib-info.de/kommissionen/keb/tarif-entgeltverhandlungen.html

Am ungünstigsten finde ich, dass bei Arbeitgeberwechsel automatisch die Entwicklungsstufe (d.h. Berufserfahrung in Jahren) nicht berücksichtigt werden kann. Das ist sowohl beim Wechsel zu einem Arbeitgeber mit anderem Tarifvertrag, als auch mit selbem Tarifvertrag der Fall. Diese starren Regelungen tragen nicht gerade zur Mobilität von Arbeitskräften bei.

Update: 

Neue Erkenntnis bezüglich der Stufenlaufzeit: „Gemäß § 17 Absatz 4 Satz 3 TV-L FU beginnt die Stufenlaufzeit in der höheren Entgeltgruppe mit dem Tag der Höhergruppierung“.

Fazit meinerseits: Wenn Ihr schon vorhabt, eine Stelle anzunehmen, die zu einer höheren Eingruppierung als Eurer bisherigen führt, dann beeilt Euch diese zu finden. Das ist sicherlich nicht spaßig für Leute mit längerer Betriebszugehörigkeit, wenn die Stufe einfach von vorn beginnt. Das ist auch der Grund warum es sein kann, dass eine höhere Eingruppierung trotzdem zu weniger Geld führt.

Unter öffentlicher-dienst.info gibt es eine gute Tabelle zur Veranschaulichung:

http://oeffentlicher-dienst.info/tv-l/berlin/hoehergruppierung.html

Verfasst von: berlinfami | Juni 25, 2012

101. Deutscher Bibliothekartag in Hamburg (Kurzüberblick)

Liebe neugierige Leser: Ein ausführlicher Artikel zum Bibliothekartag folgt demnächst (wenn ich endlich mal mehr Zeit habe)

Hier gibt es schon mal vorab einen Überblick über mein besuchtes Programm. Dieses wich leider viel von meinen Planungen ab, da ich aufgrund einer starken Erkältung ziemlich kürzer treten musste.

Dienstag:

10 Uhr Ankunft Hamburg

Mittagssnack am Stephansplatz

danach im „Planten un blomen“ mit Vorstandskollegin Überblick über gedrucktes Programm verschafft

14 – 15 Uhr: KIBA-Stand : „Wissen trifft“ Benjamin Lebert (Buchlesung mit Interview)

17 Uhr: Alles klar mit Primo? Usability-Studie zum Bibliotheksportal Primo der Freien Universität Berlin – M. Surkau (Berlin, D), H. Lennard (Berlin, D); Referent: H. Lennard

18.30 Uhr: Teilnahme an Eröffnungsveranstaltung

Abendessen in kleiner BIB-Runde im Steakhaus

Mittwoch:

Info-Stände der Hochschulen besucht

11 – 11.30 Uhr:  Präsentation aktueller Forschungsprojekt:  Prof. Cornelia Vonhof (HdM Stuttgart): „Managementinstrumente in der Bibliothekspraxis“

Mittagspause mit Vorstandskollegen am Stephansplatz

13.30 Uhr – 15.30 Uhr: BIB-Jahresthema Demografischer Wandel

16 – 18 Uhr: Neue Wege in der Aus- und Fortbildung

Abendessen mit BIB-Aktiven beim Spanier in der Innenstadt

Donnerstag:

9 – 12 Uhr: Berufsverband Information Bibliothek e.V. – Mitgliederversammlung

Mittagspause

Chillout und Gesundheitsschlaf im Hotel (wenn man schon eine Menge für die Kongressparty bezahlt, will man ja auch halbwegs fit sein, trotz Erkältung)

ab 19 Uhr: Spaziergang zur Fischauktionshalle, Kongressparty

Ende (wird nicht verraten😉 )

Freitag:

Auschecken

Posterpräsentation und Firmenausstellung besichtigt

10 Uhr BIB Landesgruppe Berlin-Trio (Redies, Steyer, Johannes): Teilnahme an Führung durch die Hamburger Öffentlichen Bücherhallen

Lunch in der Halle der Firmenausstellung (diesmal nicht überfüllt und genügend Sitzmöglichkeiten)

14 – 17 Uhr: Fahrt zur HAW (Wartenau): Workshop der HAW Hamburg mit Prof. Dr. Martin Gennis: Digitale Lesegeräte und Formate – Ende oder Zukunft der Kultur?

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