Verfasst von: berlinfami | Juni 11, 2009

Bibliothekartag in Erfurt

Vom 03.06.-05.06.09 fuhr ich mit einem Kollegen zum diesjährigen Bibliothekartag. Uns erwarteten spannende Voträge und einen Tag Urlaub (die restlichen 2 Tage waren wir von der FU Berlin freigestellt 🙂 ) in Erfurt.

Messegelände Erfurt

Nach Ankunft am Messegelände Erfurt erhielten wir unseren orangen ( Yeah! meine Lieblingsfarbe) Tagungsbeutel und stürzten uns gleich in den ersten Vortrag zum Thema „Urheberrecht – Deutschland und Europa“, von dem wir durch unsere Zugfahrt den ersten Teil verpasst hatten, die entscheidenden Vorträge aber noch mitbekamen. Prof. Dr. Michael Seadle des Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft (IBI) der Humboldt Universität zu Berlin war gerade dabei, die „Auswirkungen des US-Copyright für deutsche Bibliothekare“ zu skizzieren. Die Universität Michigan hat in einem Buch-Projekt ein Abkommen mit Google geschlossen, das Google die Genehmigung gibt, sogenannte „verwaiste Werke“, d.h. Werke die zwar noch urheberrechtlich geschützt sind, dessen Rechteinhaber jedoch nicht bekannt oder nur mit sehr großem Aufwand zu finde sind, zu scannen. Als Folge daraus gelangen viele dieser, auch deutschen Werke ins Internet.

Danach folgte ein Vortrag von Hrn. Armin Talke von der Staatsbibliothek zu Berlin mit dem Thema „Urheberrechtliche Schranken vs. Lizenzbedingungen. Wer ist stärker?“. Humorvoll gestaltet war der Vortrag von Herrn Eric Steinhauer zum Thema „Retrodigitalisierung und orphan works- ein Versuch der Quadratur des Kreises“- zu finden unter http://www.opus-bayern.de/bib-info/bibliothekartage/2009/I.html

 

Nach diesen spannenden Vorträgen zu einer relativ komplizierten Thematik gönnten wir uns eine kleine Pause. Für mich ging es danach zum Vortrag von Hrn. Eigenbrodt und Hrn. Blinten, der das Thema „Vernetzung – Kontaktpflege – Vitamin B: Welche Rolle spielen Kontakte und Beziehungen für die Berufsbiographie“ behandelte. Eigentlich war diese Veranstaltung kein reiner Vortrag. Herr Blinten vom John F. Kennedy-Institut der Freien Universität Berlin berichtete von seinen Einschätzungen zu dem Thema, während Hr. Eigenbrodt an wichtigen Punkten nachhakte, um die Meinung des kleinen, recht überschaubaren Publikums zu erfragen. Das Publikum war sehr gemischt und reichte von fertigen Diplombibliothekaren bzw. Bacherlorabsolventen und solchen, die es werden wollten, bis zu einer zukünftigen und bereits im Beruf arbeitenden FaMI. Interessant waren die Ideen, wie man sich ins berufliche Leben einbringen kann, um Kontakte zu knüpfen und den Horizont zu erweitern. Empfohlen wurde der Besuch von kleineren Tagungen, das Publizieren in einer Fachzeitschrift (was ich z.B. in der BUB 05/2009 mit meinem Artikel zum Auslandspraktikum getan hatte), selbst am „Call for Papers“ teilnehmen und einen Vortrag einreichen bis hin zur Mitgliedschaft und zum Engagement in einem Verband. Diskutiert wurde auch die Frage, wie sinnvoll eine Vernetzung in Web 2.0 Communities wie Twitter, XING u.ä. sind. Dabei drängte sich auch schnell die Frage auf, wie man in solchen communities Berufliches von Privatem trennt. Zusammenfassend ließ sich sagen, dass die Kontaktpflege hilfreich sein kann für die eigene Berufsbiographie, jedoch auch nicht überbewertet werden sollte.

Später traf ich meinen Kollegen und er erzählte mir vom Stand der Zukunftswerkstatt ( http://zukunftswerkstatt.wordpress.com). Dort fanden interessante Vorträge zum Thema web 2.0 Anwendungen in Bibliotheken statt. Am folgenden Tag hörten wir den Vortrag von Anne Christensen der SUB Hamburg zum Thema „User experience im Katalog 2.0“. In einer Umfrage wurde herausgefunden, dass Nutzer nicht gerne in Katalogen suchen und vorallem einfache Suchoberflächen bervorzugen. Ein Beispiel für solch eine Oberfläche bietet die Yale University Library unter http://yufind.library.yale.edu/yufind

Gibt man z.B. das Suchwort „love“ ein, so entsteht eine Trefferliste mit Buchcovern und bibliographischen Angaben. In der Linken Spalte gibt es eine Facetten-Suche, die ermöglicht, die Suchergebnisse auf sinnvolle und unkomplizierte Weise einzugrenzen. Großer Vorteil beim Katalog der „North Carolina State University“ für die Benutzer ist die Tatsache, dass man nach Eingabe des Suchwortes auch eingrenzen kann, nur verfügbare Medien in der Trefferliste zu sehen. Nutzer würden auch gerne in Katalogen stöbern und auf Dinge treffen, die sie nicht gesucht haben. Im Katalog http://www.darienlibrary.org kann man die Suchanfrage auch nach „top rated titles“, also viel gefragten Titelen, sortieren. Eine tolle Funktion bietet die Plattform http://www.whichbook.net/, bei der man aufgrund persönlicher Angaben (z.B. funny, optimistic) neue Bücher findet, die auf das eigene Interessenprofil passen. Einen weiteren Vortrag über die Nutzung von Blogs und Sozialen Netzwerken für Bibliotheken hatte ich mir an einem anderen Tag angehört: http://www.youtube.com/watch?v=m17qF6ToVCU

Am Donnerstag nutzte ich die Gunst der Stunde mich am BIB Stand über Arbeitsmöglichkeiten im Ausland zu informieren.

Später widmete ich mich einem Vortrag zum Thema Leseförderung in Bibliotheken. Besonders interessant und erhellend war der Vortrag von Fr. Glöckner aus Erfurt, die in einer OPL (=One person library) arbeitet. Sie berichtete von den Projekten in der sich in einer Schule befindenden Öffentlichen Zweigbibliothek. Es war bemerkenswert wie viele Aktionen von Leseclubs, Kindergartenarbeit, Lesewettbewerbe, Reihenveranstaltungen, Feste u.ä. die Referentin alleine mit stetiger Begeisterung durchgeführt hat.

Am Freitag nutzen wir unseren Urlaub um uns Erfurt anzuschauen. Die Altstadt hat sehr viele schön restaurierte Häuser.

Altstadt Erfurt- Fischmarkt

Altstadt ErfurtSpäter ging’s zum Erfurter Dom und zur Zitadelle am Petersberg. Leider hatte die dortige Hofbäckerei an diesem Tag nicht geöffnet. Von der Zitadelle hatte man einen wunderbaren Blick auf die Stadt.

Zitadelle Petersberg Erfurt

Gegen Abend fuhren wir müde und mit vielen neuen Anregungen nach Hause.

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