Verfasst von: berlinfami | Januar 23, 2011

BIB Studienreise – Amsterdam und Den Haag

Vom 23.09.- 26.09.2010 begaben sich 14 erlebnishungrige Bibliothekarinnen  und Bibliothekare und interessierte Lebenspartner auf zu einer Studienreise nach Amsterdam  und Den Haag. Los ging es 6.30 Uhr in der Frühe. Frohen Mutes und guter Laune fuhr die Gruppe mit dem IC vom Berlin Hbf los. Ein Großteil bevorzugte seinen fehlenden Schlaf der letzten Nacht nachzuholen. Spätestens nach einer Kaffeepause am Vormittag war auch der letzte wach. Es wurde gelesen (was sonst? *g*) oder über berufliche und weniger berufliche Themen geplaudert. Nach einem Umstieg in Hilversum kamen wir am frühen Nachmittag im herbstlich-sonnigen Amsterdam an. Wir fuhren zuerst zu unserem Ibis Hotel Stopera um das schwere Gepäck los zu werden und unsere Zimmer zu inspizieren. Ein Großteil schlief in Doppelzimnmern, die relativ klein und schlicht waren, für dieses Wochenende aber allemal ausreichten. Nach einem kurzen Aufenthalt ging es auch gleich los zum ersten Bibliotheksbesichtigungstermin. An diesem Nachmittag stand die „Openbare Bibliotheek Amsterdam“ auf dem Programm. Der Direktor (Hans van Velzen) der im Sommer 2007 eröffneten Bibliothek empfing uns in typisch niederländischer Tradition bei „Koffie & Thee“ in einem Konferenzraum und hielt auf Englisch eine Powerpointpräsentation über die Entstehung der Bibliothek. Frau „de Mink“ und eine deutsche Kollegin sprangen bei Verständnisproblemen mit deutschen Vokabeln ein. Danach führten uns die beiden von oben nach unten durch das Haus. Von der Dachterrasse aus hat man einen wunderbaren Ausblick auf die Stadt. Die Bibliothek, welche ich während meines Auslandspraktikums 2008 bereits am Wochenende besichtigt hatte, hatte noch immer einen offenen, einladenden Charme. Sie ist so errichtet, dass man von verschiedenen Etagen immer einen Blick auf die anderen Ebenen hat. Hier ein kleiner Eindruck:

Nach dieser eindrucksvollen Führung waren wir von Frau Mulzer, die unseren Fachaufenthalt maßgeblich mit organisiert hat, ins Goethe Institut eingeladen. Sie leitet dort die Bibliothek und ist auch bei der Organisation diverser Veranstaltungen mit beteiligt. Wir machten einen kleinen Rundgang durch das Haus aus dem 17. Jahrhundert. Abgerundet wurde der Abend mit einem leckeren gemeinsamen Abendessen im Restaurant „Haesjes Claes“. So ging der erste lange, aber eindrucksvolle Tag zu Ende.

Am nächsten Tag hieß es früh aufstehen, da wir zur Besichtigung der Nationalbibliothek der Niederlande nach Den Haag aufbrachen. Unser Zug traf am Vormittag in Den Haag ein. Vom Bahnhof aus konnte man schon fast in die Bibliothek stolpern. Die seit 1798 bestehende Bibliothek umfasst derzeit 6 Millionen Bände. In den Niederlanden gibt es im Gegensatz zu Deutschland kein „Pflichtexemplarrecht“, sodass die Medien selbst erworben werden müssen. Wir sahen eine Videopräsentation auf Englisch zur Geschichte der Bibliothek. Im Anschluss erfolgte ein Rundgang durch den offenen Bereich und die Magazine. Die Bibliothek ist im Vergleich zur OBA schlichter gestaltet, jedoch verschönern bestimmte Beleuchtungsaspekte den Aufenthalt und Sitzecken laden zu einer entspannten Pause ein. Nachmittags stand eine Besichtigung in der Bibliothek des „Vredespaleis“ (http://www.ppl.nl/) an. Zunächst waren wir auf der Suche nach einem Restaurant um unsere hungrigen Mägen zu füllen. Die Gruppe teilte sich relativ schnell in einzelne Kleingrüppchen, denn die einen wollten ins Fischrestaurant, die nächsten in ein asiatisches und andere wiederum (zu denen ich gehörten) bevorzugten klassische Pannekoeken (Pfannkuchen) in allerlei süßen und herzhaften Variationen oder kleine Poffertjes (niederländische Spezialität) in einem Bistro. Gegen 15 Uhr standen wir vor den Pforten des „Vredespaleis“ und staunten nicht schlecht. Das prachtvolle Gebäude mit einem groß-angelegten Park erstrahlte im Sonnensschein (ja, man kann sagen wir hatten unheimliches Glück mit dem Wetter und konnten bei 18 Grad diesen Herbsttag genießen, während es in Deutschland das ganze Wochenende regnete) hinter einem eisernen Tor. Es ist Sitz des Internationalen Gerichtshofs, des Ständigen Schiedshofes und der Haager Akademie für Völkerrecht. Um ins Innere hineinzukommen, mussten wir alle erstmal mit unserem Taschen durch eine Sicherheitsschleuse, wie man sie an Flughäfen findet. Drinnen angekommen, empfing uns der Direktor Herr Jeroen Vervliet herzlich. Er gab zunächst einige einführende Erläuterungen zum Vredespaleis, der 1907 bis 1913 nach Plänen des französischen Architekten Louis M. Cordonnier erbaut und vom US-amerikanischen Unternehmer Andrew Carnegie finanziert wurde. Die vom Stararchitekten Michael Wilford entworfene Bibliothek befindet sich in einem Neubau, welcher über einen schrägen Verbindungstrakt mit dem Friedenspalast verknüpft war. Der Direktor stellte uns in einem Vortragsraum die Angebote der Bibliothek ausführlich und sogar auf Deutsch (!) vor. Beeindruckend ist nicht nur das Gebäude sondern auch die Internetpräsenz der Bibliothek. Es gibt eine Chatauskunft, ein Twitteraccount, E-Mail-Alert-Dienste (darüber können Benutzer z.B. alles über Neuerwerbungen zu einem bestimmten Thema erfahren) und eine Sammlung nützlicher Links zur Juristik auf del.icio.us. Bei einem Rundgang durch die Magazine im Untergeschoss wunderten wir uns über eine Gerät in einem Glaskasten, was sich als „Buchstaubsauger“ entpuppte. Zur Freude aller gab uns Herr Vervliet auch einen Einblick in das Gebäude des Friedenspalast, welcher im Stil der Neorenaissance gestaltet war. Nach über 2 Stunden ging eine lange und eindrucksvolle Führung zu Ende. Gegen Abend fuhren wir wieder nach Amsterdam zurück und ein Teil von uns folgte der Einladung ins Goethe Insitut, wo ein animierter Langfilm aus den 20er-Jahren („Die Abenteuer des Prinzen Achmed“) mit moderner musikalischer Untermalung gezeigt wurde. Dieser Film wird übrigens dieses Jahr zum Kurt Weill Fest in Dessau gezeigt. http://www.kurt-weill.de/pages_d/kwf_2_0_22_0.html

Der 3. Tag stand den Teilnehmern zur freien Verfügung, da es nicht möglich war samstags eine Bibliotheksführung zu bekommen. Die Gruppe besuchte diverse Museen (u.a. Rijksmuseum, Anne-Frank-Haus, Jüdisch Historische Museum) und ein Teil machte auch eine Grachtenrundfahrt oder erkundete die Stadt zu Fuß. Zur späten Stunde fand sich auch ein kleines Grüppchen zusammen um in einem der vielen „bruin cafés“ (= traditionelle niederländische Kneipe) einzukehren.

Bevor wir uns am Sonntag von Amsterdam verabschiedeten, standen einige auch früh auf, um noch die letzten Stunden vor der Abreise effektiv zu nutzen um zuerst über einen Kunstmarkt am Rembrandtplein zu schlendern und später noch kurz einen Antik-Markt in einem alten Haus im Stadtviertel Jordaan zu besichtigen und den Aufenthalt dort im integrierten Café bei einer Tasse heißer Schokolade ausklingen zu lassen. Gegen Mittag fuhren wir mit vielen Eindrücken im Kopf und vielleicht auch ein bisschen Fernweh im Herzen gen Deutschland. Alles in allem war es eine sehr schöne, informative, und gesellige Reise, die manch einem mit 4 Tagen viel zu kurz erschien.

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