Verfasst von: berlinfami | November 13, 2011

100. Deutscher Bibliothekartag (Fortsetzung)

Am Mittwoch widmete ich mich einer Kurzvortragsreihe der Zukunftswerkstatt. Mich interessierte der Vortrag „Multitouch in libraries“ von Koen Rotteveel aus der DOK Delft.  Die öffentliche Bibliothek in Delft hat ein Projekt gestartet, wo es um „digital storytelling tools “ geht. Dabei wird ein Multitouch-Tisch (Microsoft Produkt) verwendet:

http://zukunftswerkstatt.wordpress.com/2011/04/12/interview-mit-koen-rotteveel/

Der Referent erläuterte uns die Besonderheiten der Touch-Oberfläche und den Effekt auf die Benutzer. Der Multitouch-Tisch erkennt Objekte und versteht, was man darauf stellt. Es wird die reale mit der virtuellen Welt kombiniert. Warum ist dieses Produkt für Bibliotheken geeignet? Er sagte, „Geschichten, werden die Zukunft der Bibliotheken sein“. Unsere Aufgabe wird es sein, den Leuten „den Weg zu den richtigen Geschichten aufzuzeigen“. Der Vorteil dieser Multitouchanwendung ist der enorme soziale Aspekt. Es können mehrere Leute gleichzeitig daran arbeiten. Damit könnten neue Zielgruppen (z.B. Schüler) erreicht werden und langweilige Inhalte können spannend gemacht werden. Hier gibt es einen kleinen Einblick in das Gerät:

http://vimeo.com/5643953

Ich stellte in dem Zusammenhang die Frage, ob es nicht schwierig ist, wenn man seinen Benutzerausweis verliert, und jemand anders diesen auf das Gerät legt. Es müsste ein Passwortschutz geben, da sonst einige persönliche Daten ausgelesen werden könnten. Man sagte, dass man dafür Lösungsmöglichkeiten entwickelt. Es bleibt spannend zu erfahren, wie das Projekt weiter geht, und ob es sich in anderen Bibliotheken durchsetzt. Die Kosten für die Anschaffung sind allein für die Hardware ziemlich hoch.

Nach einem Rundgang durch die Messehallen mit unserem BIB Landesgruppenvorsitzenden, bei dem ich einige neue Leute kennen gelernt habe, besuchte ich nach der Mittagspause die Vortragsreihe „Fit für die Zukunft: Wo endet Ausbildung, wo (und wann) braucht es Fortbildung?“ Die Reihe begann mit einem Vortrag von Karin Holste-Flinspach „Der Fachwirt als Aufstiegsfortbildung für FaMIs?“ Der Titel des Vortrags wurde sicherlich nicht ohne Grund mit einem Fragezeichen am Ende des Satzes gewählt. Eine Stellungnahme zum Thema Fachwirtausbildung gibt es auch auf den BIB-Seiten. Darauf folgte ein Vortrag von Cornelia Vonhof (Professorin an der Hochschule der Medien Stuttgart) mit dem Titel „Nach dem Studium ist vor der Weiterbildung- Weiterbildungsbedarf von Bachelor- und Master-Absolventen“. Sie gab zunächst einen Überblick über den Bachelor und später den Master-Studiengang „Biliotheks- und Informationsmanagement“. Bei der Frage nach der Zulassungszahl für den Bachelorstudiengang gab es eine klare Antwort: „Der Arbeitsmarkt lässt es nicht zu, die Zulassungszahlen zu erhöhen. Als Fazit kann man sagen, dass das Studium nicht die berufliche Praxis ersetzt und die Anforderungsfelder so heterogen sind, dass immer Weiterbildungsbedarf besteht. Für mich persönlich war vorallem der letzte Vortrag von Heike Stadler interessant. Die Absolventin der Fernweiterbildung Bibliothekswissenschaft an der FH Potsdam stellte das Thema „Zeit“ in den Mittelpunkt ihres Vortrags. Zur Vorbereitung auf den Bibliothekartag wurde mit Absolventen der vierjährigen Weiterbildung eine Umfrage gemacht. Ein Großteil der Teilnehmer begann diese Weiterbildung aus Eigenmotivation, nur ein sehr geringer Anteil hatte Aussicht auf eine höher dotierte Stelle. Bei einem kleinen Teil war auch beides der Grund für die Teilnahme. Der Kurs besteht aus 24 Pflicht+ 2 Wahlmodulen. Zu jedem Modul gibt es eine Präsenzzeit und es muss eine Belegarbeit geschrieben werden. Während des Selbststudiums kommunizieren die Teilnehmer über die E-Learningplattform Moodle. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer antwortete, dass sie im Durchschnitt 10- 15 Stunden pro Woche für die Weiterbildung aufwendeten. Dies entsprach im Großen und Ganzen den Erwartungen der Teilnehmer. Am Ende der Weiterbildung erhalten die Teilnehmer ein Zertifikat. Um den Bachelorabschluss zu erlangen, müssen sie sich für ein Semester an der Hochschule einschreiben, um die Abschlussarbeit zu schreiben. Viele sammeln dafür ihren Jahresurlaub an, nehmen Bildungsurlaub oder reduzieren ihre Arbeitszeit.

Dieser Tag ging mit der „Langen Nacht der Bibliotheken“ zu Ende. So schön und vielfältig das Programm auch war- ich hatte beschlossen nicht daran teilzunehmen. Der nächste Tag sollte nämlich schon früh (9 Uhr) mit der BIB-Mitgliederversammlung beginnen. Es gab einen Rück- und Ausblick mit Verabschiedung des alten und Wahl des neuen Bundesvorstands. Nach der Pause hatte ich meinen allerersten Standdienst. Ich wurde von den Kollegen eingewiesen und habe an diesem Tag auch einige Postkarten verkauft, Infos zur Mitgliedschaft gegeben etc…Währenddessen war ein Großteil des Vorstands auf der Demo gegen die neue Entgeltordnung. Nach meinem Standdienst fuhr ich nach Hause um mich für den Festabend im Umspannwerk in Schale zu werfen. Darauf hatte ich mich schon lange Zeit gefreut. Aus den Erzählungen der letzten Jahre (u.a. in Erfurt), hat da ziemlich „der Bär gesteppt“. Es gab ein leckeres Buffet, eine Lesung von Horst Evers und zu späterer Stunde durfte auch das Tanzbein geschwungen werden. Zum Tanzen war zwar nicht soviel Platz, aber alle diejenigen, die darauf keine Lust hatten, waren schon früher gegangen, sodass einige Tische der ersten Reihe zusammengeklappt werden konnten. Der DJ und die DJane spielten eine gute Mischung aus verschiedenen Stilen, Oldies und modernen Hits, sodass bis weit nach Mitternacht gefeiert wurde.

Abgerundet wurde der Bibliothekartag am nächsten Tag mit einer Podiumsdiskussion mit Mitgliedern der Enquete-Kommision Internet und digitale Gesellschaft des Deutschen Bundestags zum Thema „Internet und Digitalisierung“. Es diskutieren Thomas Jarzombek (CDU, Vorsitzender der Kommission), Lars Klingebeil (SPD), Petra Sitte (Die Linke) mit Prof. Dr. Hermann Parzinger (Vorstandssprecher des Kompetenznetzwerkes Deutsche Digitale Bibliothek und Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz). Moderiert wurde die Veranstaltung von Claudia Lux, Direktorin der Zentral- und Landesbibliothek Berlin.

So gingen 4 kurzweilige, spannende Tage zu Ende. Ein großes Dank an alle Organisatoren, die vielen Freiwilligen Helfer und die Teilnehmer. Der 100. Dt. Bibliothekartag in Berlin wird wohl vielen von uns noch lange in Erinnerung bleiben. Wir freuen uns schon auf ein Wiedersehen in Hamburg 2012.

Advertisements

Responses

  1. Jetzt ist genau ein Jahr vergangen. Wird mal wieder Zeit für Berichte vom nächsten Bibliothekartag. 🙂

    • Da hast du Recht. Ich würde auch liebend gerne gleich davon berichten. Erst steht aber mal mein Umzug an. Dann schreibe ich einen Bericht. Bis dahin sind sicherlich auch viele Vorträge online, sodass ich direkt darauf verlinken kann.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: