Verfasst von: berlinfami | August 20, 2012

Bibliothekartag Hamburg – Tag 2

Am Mittwoch Vormittag schaute ich mir zuerst die Stände der Hochschulen an und nahm etwas Infomaterial mit. In der KIBA-Lounge wurden aktuelle Forschungsprojekte vorgestellt. Es gab einen interessanten Vortrag von Prof. Vonhof (HdM Stuttgart) zum Thema „Managementinstrumente in der Bibliothekspraxis“. Es wird beobachtet, welche Prozesse es im Bibliothekswesen gibt, was von wem gemacht wird, welche Arbeitsschritte überflüssig sind. Es geht darum welche Ziele eine Bibliothek hat und wie diese durch die Optimierung von Prozessen erreicht werden können. Interessant fand ich die Unterscheidung von verschiedenen Leistungsarten. So sind 45 Prozent aller Leistungen Stützleistungen, z.B. die Beschaffung von Arbeitsmaterialien, Installation von IT usw. Dies ist durchaus nachvollziehbar, wenn ich überlege, wie lange z.B. in meiner Bibliothek die Installation eines RVK-Etikettendrucker dauerte (2 Stunden pro Rechner) oder einer aktuellen Version unserer Bibliothekssoftware (ein halber Tag). So kommt es vor, dass manchmal wenig Zeit für die Kernprozesse, wie z.B. Benutzung, Schulungen von Bibliotheksbenutzern usw… bleibt. Danach gönnte ich mir mit meiner Vorstandskollegin eine Mittagspause am Stephansplatz. Im Anschluss besuchten wir die BIB-Veranstaltung zum Jahresthema „Demographischer Wandel.“ Zu Beginn gab es ein Referat von Petra Klug von der Bertelsmann-Stiftung. Später gab es eine Diskussionsrunde. In dem Zusammenhang kam auch die Frage auf, wie man das Wissen, was ein Bibliotheksmitarbeiter aufgrund langjähriger Berufserfahrung erworben hat, vor Ort behält. Oft findet ein Verlust von Wissen statt, wenn ein langjähriger Mitarbeiter in Rente geht. Es stellte sich heraus, dass Arbeitsplätze flexibler sein müssen. Die Arbeitszeit muss an die individuelle Lebenssituation angepasst werden können. Wenn die Gesellschaft immer älter wird, muss sich die Frage gestellt werden, welche Bedürfnisse diese älteren Bibliothekskunden haben. Mentorenprogramme zwischen Jung und Alt können dem Wissenstransfer dienen. Fazit war, dass es kein Patentrezept für Bibliotheken gibt. Jede Bibliothek muss ihre Strategie der jeweiligen gesellschaftlichen Struktur in der Umgebung anpassen. Nach dieser Diskussionsrunde ging ich zum Vortragsblock „Neue Wege in Aus- und Fortbildung“. Dort wurde zunächst das neue Pilotprojekt der FH Hannover für FaMIs ohne Abitur vorgestellt. Diese sollen die Gelegenheit bekommen in 7 Semester durch ein Teilzeitstudium einen Bachelorabschluss zu erlangen. Die Voraussetzung dafür ist eine mindestens dreijährige Berufserfahrung im Bibliothekswesen. Das Studium soll neben der Berufstätigkeit erfolgen. Pro Semester soll es 6 Präsenzphasen (Donnerstag- Samstag) geben. Es wird die Reduzierung der Arbeitszeit empfohlen, da man eine durchschnittliche Arbeitsbelastung von 20 Wochenstunden erwartet. Leider gibt es in Niedersachsen Studiengebühren in Höhe von 500 Euro und Semestergebühren von ca. 300 Euro, was sicherlich für viele FaMIs aus anderen Bundesländern ein Nachteil ist, da zu den Studiengebühren noch Reise- und Übernachtungskosten anfallen. Die Prüfungen sind dieselben wie im regulären Studium. Es bleibt zu erwarten, ob sich dieser Teilzeitbachelor für FaMIs ohne Abitur als Weiterbildung bundesweit etablieren kann.

Danach folgte ein Vortrag von Karin Holste-Flinspach unter dem Titel „FaMI in der Krise – Ausbildungsreform überfällig!“. Der Vortrag fasste die Entwicklung des FaMI-Berufes und die dabei auftretenden Probleme zusammen. Die Rahmenbedingungen in Bibliotheken haben sich in den letzten Jahren stark geändert. Es gibt einen Wandel an Informationsbedürfnissen, wachsenden Kostendruck, eine rasante technische Entwicklung (RFID u.a.) und die zunehmende Arbeitsverlagerung zu externen Dienstleistern. Im Bereich der Katalogisierung wird durch Fremddatenübernahmen und Verbundkatalogisierung die Arbeit an Titelaufnahmen geringer. Die typischen Einsatzorte für FaMIs in der Benutzung werden durch Selbstverbuchungs- und Kassenautomaten kleiner oder verschwinden ganz. Es findet eine Arbeitsverlagerung zu Non-Profis (z.B. stud. Hilfskräften) statt. Die Art der Benutzung von Bibliotheken ändert sich. Bibliotheken werden sowohl vor Ort als auch mehr und mehr von zu Hause aus durch E-Medien genutzt. Dort könnten neue Arbeitsbereiche für FaMIs erschlossen werden. Bibliotheken müssen für qualifizierte Bewerber attraktiv bleiben. Das wird durch Teilzeit-Stellen, Befristungen u.ä. zunehmend schwieriger. Frau Holste-Flinspach sieht die Zukunft der FaMIs im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit, Benutzerschulung und im social-media-Bereich. Die Ausbildungsordnung muss in Zukunft um diese Bereich ergänzt werden. Die FaMIs befinden sich im Spannungsfeld zwischen Diplombibliothekaren, Bachelor-Absolventen und studentischen Hilfskräften. Es ist nirgendwo festgelegt, was ein FaMI machen darf oder nicht. Dies variiert in der Praxis je nach Auffassung des Arbeitgebers und Größe der Bibliothek. Einig ist man sich auch dahingehend, dass bessere Weiterbildungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen geschaffen werden müssen. Nach diesem Vortrag schlenderten wir mit einigen BIB-Aktiven aus anderen Bundesländern durch die Hamburger Innenstadt um in einem spanischen Restaurant zu speisen. Somit ging ein spannender zweiter Kongresstag zu Ende.

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Responses

  1. Wieder einmal sehr verständlich und kurzweilig geschrieben. Danke!


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